Das frühe Mittelalter - eine zeitliche Einordnung
Mittelalter, Frühmittelalter, Spätmittelalter... Alles sehr verwirrend für den geneigten Mittelalter Markt-Gänger, aber für viele aktive Darsteller doch eine sehr wichtige Frage:Nicht "was" stelle ich dar, an erster Stelle steht die Frage: "Wann" stelle ich dar? Authentizität ist für viele aktive Darsteller halt ein wichtiges Merkmal. Schließlich will man den Besuchern ja kein
Damit fallen schon mal der Trinkhorn tragende Römer und der Zweihandschwert schwingende Wikinger weg. Solche Darstellungen fallen nicht unter "A", wie "authentisch", sondern unter "A", wie Ambiente. Der eine oder andere große Ausrichter von Mittelalter Märkten musste dementsprechend, mehr oder weniger freiwillig, das "Mittelalter" auch schon gegen "Fantasy" ersetzen.
Hier nun der Anfang einer kleinen, zeitlichen Einordnung der verschiedenen Epochen des Mittelalters. Fangen wir mit der ersten Epoche an, das sogenannte frühe Mittelalter oder Frühmittelalter.
Frühmittelalter
Das Frühmittelalter bezeichnet im allgemeinen den großen Zeitraum zwischen dem Niedergang der Antike und dem Hochmittelalter. Das ist ja einfach. Oder doch nicht? Wann war die Antike denn wirklich zu Ende? Diese Frage wurde bei den neuzeitlichen Historikern zur Genüge erörtert, oft wieder verworfen und mit der Entdeckung von neuen Funden und Fakten wieder neu aufgestellt.
Zur Zeit wird das Ende der Antike mit der beginnenden Völkerwanderung nach dem Zerfall des weströmischen Reiches, genauer gesagt dem Einfall der Langobarden (Aus dem jetzigen Mecklenburg) in Italien. Damit hätten wir, zumindest für den westlichen Raum, ein ziemlich genaues Jahr für den Anfang des Frühmittelalters: Nämlich das Jahr 568 n.Chr.
Das Ende des Früh- und damit Anfang des Hochmittelalters
Das Ende des Früh- und damit Anfang des Hochmittelalters, lässt sich ähnlich (oder ähnlich wenig) exakt festlegen. Vom glorreichen Kaiser Otto I., Auch Otto der Große genannt (Herrschaft 936-973 n.Chr.), bis hin zum Beginn des ersten christlichen Kreuzzugs im Jahre 1095 n.Chr. dauerte der Übergang vom Früh- ins Hochmittelalter.
Also, für diejenigen wie mich, die sich keine Jahreszahlen merken können, sei einfach und vereinfacht gesagt: Das Frühmittelalter dauerte von ca. 500 n.Chr bis 1000 n.Chr. über einen Zeitraum von 500 Jahren. Daran erkennt man schon, wie schwierig es ist, seiner Darstellung einen exakten Zeitraum zuzuordnen. Nur "Söldner aus dem Frühmittelalter" würde schon einen Zeitraum von 500 Jahren abdecken, so lange lebt (hoffentlich) niemand ;)
Die Pest
Die Pest, der sogenannte "schwarze Tod", machte sich am Anfang des Frühmittelalters schon breit. Allgemein bekannt ist ja die große Pestepedemie im Hochmittelalter um ca. 1350, welche große Teile Europas ausrottete. Doch auch schon um 541 n.Chr. breitete sich die justizianische Pest, benannt nach dem Kaiser Justitian I. (527-565 n.Chr.), ausgehend vom Morgenland bis in das heutige Europa aus. Erst 770 n.Chr. verschwand diese erste Pestwelle wieder, um im Hochmittelalter ihre grausame Rückkehr zu beginnen.
Niedergang des weströmischen Reiches
Geprägt wurde das Frühmittelalter auch durch den Niedergang des weströmischen Reiches. Damit einhergehend sank auch der allgemeine Lebensstandard in Westeuropa, für die römischen Errungenschaften fehlten ausgebildete Fachkräfte, Wasserversorgung und Infrastruktur, wie z.B. das Straßennetz, brach zusammen. Dadurch fand eine Regionalisierung statt, der Großteil des Handels konzentrierte sich wieder auf die Städte und deren direktes Umland. Die Hochzeit der mittelalterlichen Stadtmärkte begann.
Die heutigen Mittelalter Märkte
Womit wir wieder bei den heutigen Mittelalter Märkten wären. Und beim modernen Mittelalter Shop im Internet. Und bei Steckstühlen, Zweihandschwert schwingenden Wikingern und Kelten mit angelsächsischen Langgürteln. Was jetzt aber auch nicht wirklich so schlimm ist: "A" darf auch für Ambiente stehen, Spaß am Anderssein und Urlaub vom Alltag. Schließlich leben wir nicht mehr im Mittelalter, oder? ;)
(c) Foto: Mittelalter Shop Taberna Mercatoria 2011
Tags: Mittelalter, Mittelalter Märkte
2002 bis 2009: Regelmäßige Besuche auf Mittelaltermärkten. Lieblingsmarkt: Xanten, Siegfriedspektakel. Gleichzeitig hobbymäßige Weiterbildung im Bereich nordischer und keltischer Kulturen und Symbolik: Lesen bildet.Seit 2009 das Hobby zum Beruf gemacht: Nicht mehr nur begeisterter Mittelaltermarkt-Gänger, sondern auch selbstständiger Händler auf Märkten und im eigenen Mittelalter Shop: Taberna Mercatoria.
Von 2002 bis 2011: Niemals authentisch, immer ein begeisterter Steckstuhlbenutzer :)